Aktuelles vom 14.09.15

Anwendungsregel VDE-AR-N 4101 neu veröffentlicht

Die bereits viel diskutierte Anwendungsregel zu den „Anforderungen an Zählerplätze“ wurde Anfang September neu veröffentlicht. E-Handwerker müssen bei Dauerstrombelastung die Zählerschränke genauer planen und Grenzübertemperaturen beachten.

Die Neuveröffentlichung der VDE-AR-N 4101 verfolgt das Ziel, mit den technischen Spezifikationen die bundesweite Standardisierung der intelligenten Messsysteme voranzutreiben Sie wurde im Hinblick auf leichte Erweiterbarkeit, Smart Metering und unter Berücksichtigung von Dauerströmen überarbeitet. Hauptaugenmerk der E-Handwerksunternehmen sollte jedoch nicht nur die optimale Vorbereitung des Zählerplatzes für den Einbau intelligenter Messsysteme, sondern die Verwendung der Zählerschränke bei den zu erwartenden Betriebsströmen und Dauerstrombelastungen sein.

Was ist zu beachten:
Gerade die zu erwartenden Dauerstrombelastungen sind für die E-Handwerksunternehmen relevant. Es muss dabei immer zwischen „Bemessungsstrombelastbarkeit“ und „Dauerstrombelastbarkeit“ unterschieden werden.

» Betriebsstrom: ist der Strom, der im Stromkreis bei ungestörtem Betrieb fließt
» Bemessungsstromstärke: ist die vom Hersteller für eine festgelegte Betriebsbedingung eines Installationsmaterials zugeordnete elektrische Stromstärke
» Dauerstrom: ist der Maximalwert des Stromes, den ein Leiter, ein Gerät oder eine Einrichtung unter festgelegten Bedingungen führen kann, ohne dass bei ihnen ein festgelegter Grenzwert der Beharrungstemperatur überschritten wird.

Die Anwendungsregel AR-N 4101 befasst sich explizit mit Zählerplätzen nach DIN 43870 "Zählerplätze" in Kombination mit der DIN VDE 0603 "Installationsverteiler und Zählerplätze AC 400V". Die Auslegung der Zählerplätze erfolgt nach dem Bemessungsstrom und zu den in der DIN 43870 festgelegten Bauart - und Verdrahtungsbedingungen. Die Dimensionierung der Zählerplätze in Bezug auf die verschiedenen Belastungs- und Bestückungsvarianten erfolgt für den maximal möglichen Betriebsstrom, nicht auf den Dauerstrom.

Dauerstrombelastungen sind z.B. zur erwarten bei:
» PV-Stromerzeugungsanlagen mit Einspeisung über den Zählerschrank >22kW
» Einspeisung Blockheizkraftwerke oder sonstige Erzeuger > 22 kW
» Elektroheizungen mit Anschlusswert > 22 kW
» u. a. auch Wärmepumpen (inkl. elektrische Zusatzheizung) >22 kW
» Ladestationen für E-Fahrzeuge > 22 KW 
» selbstverständlich auch Gebäudestromversorgung > 22 kW Dauerlast usw.


Merke: Hersteller dimensionieren auf die Bemessungsstromstärke und den Betriebsstrom. Anwender und Errichter der Zählerschränke müssen auch die Dauerstrombelastung während des Betriebs und entsprechend der Umgebungsbedingungen am Einsatzort im Blick haben.

Die in der Anwendungsregel dargestellten Belastungs- und Bestückungsvarianten zeigen, dass bei Zählerfeldern mit Doppelbelegung die mögliche Belastbarkeit des Zählerfeldes sinkt. Das ist nicht neu und schon hinreichend bekannt. Zu beachten ist, dass beim Zählerplatz mit Doppelbelegung und der Verwendung von zwei SH-Schalter je Zählerplatz auch die Erhöhung des Nennquerschnitt der internen Zählerplatzverdrahtung von 10 mm² auf 16 mm² für eine Dauerstrombelastung nicht ausreichend sein kann. Hier macht das Normenkomitee eine Anmerkung, die jedoch für die E-Handwerksunternehmen von Bedeutung ist:
» "Die festgelegte Grenzübertemperatur des Zähleschrankes (inkl. der Betriebsmittel) darf nicht überschritten werden und ist nach VDE 0660-600-1 nachzuweisen."

Dies wird besonders relevant, wenn im Zählerschrank noch zusätzlich Verteilerfelder und Kommunikationsfelder eingebaut sind, d. h. Endstromkreise und Kommunikationseinrichtungen im Zählerschrank mit untergebracht werden, die wie jedes andere eingebaute Betriebsmittel im Betrieb selbstverständlich auch Wärme erzeugen. Jeder Fachbetrieb muss faktisch die zu erwartende Wärmebelastung im Zählerschrank individuell ermitteln und so Baugröße und Bauart - eventuell auch mit dem Zählerschrankhersteller gemeinsam - individuell planen und festlegen.

Wir empfehlen hier einen Vortrag im Forum 1 bei unserem nächsten Unternehmerforum am 10. Oktober in Stuttgart, der sich explizit mit der VDE 0660-600-1 befasst.

» Flyer Unternehmerforum

Die wichtigsten Punkte der aktuellen Anwendungsregel im Überblick:  

Anwendungsbereich: Die Anwendungsregel AR-N 4101 legt die technischen Mindestanforderungen an Zählerplätze in elektrischen Anlagen mit direkter Messung und Betriebsströmen ≤ 63 A, die an das Niederspannungsnetz der allgemeinen Versorgung angeschlossen werden, deren Anschluss an das Hauptstromversorgungssystem sowie deren Betriebs- und Umgebungsbedingungen fest. Sie gilt für Bezugsanlagen und in Verbindung mit der VDE-AR-N 4105 auch für Erzeugeranlagen.

Die wichtigsten Änderungen betreffen neue Vorgaben für die sichere Integration dezentraler Erzeugungsanlagen, die Vorbereitung auf Last- und Erzeugungsmanagement sowie die einfache Anbindung an das Telekommunikationsnetz. Ausgehend von den in Deutschland etablierten Zähleranschlusstechniken (Stecktechnik und 3-Punkt-Befestigung) ist das intelligente Messsystem der Zukunft modular aufgebaut und besteht aus einem Basiszähler (Elektrizitätsmesseinrichtung) mit Smart-Meter-Gateway (Kommunikationseinrichtung).

1) Die Zählerplätze müssen - je Messeinrichtung - für einen
    Bemessungsstrom von mindestens 63 A ausgelegt sein.
2) Der untere Anschlussraum muss mit einem 5-poligen 
    Sammelschienensystem ausgestattet sein.
3) Es sind nur noch Zählerplätze nach DIN 43870 mit einem
    oberen Anschlussraum von 300 mm zu verwenden. Die detaillierte 
    Anwendung ist dem Kapitel 4.2 Absatz 10 zu entnehmen. Die maximal 
    zulässige Verlustleistung von 10 W für den oberen Anschlussraum darf
    nicht überschritten werden. Eine Nutzung als Stromkreisverteiler ist nicht zulässig.
     a. Daraus ergibt sich eine Sortimentsbereinigung; die Bauhöhen 900 mm
         und 1200 mm fallen im Bereich der Zählerplatz-Technik weg.
     b. Die Bauhöhen 1050 mm (für eHZ- und 3.HZ-Zähler) und
         1350 mm (nur für 3.HZ-Zähler) sind die zukünftigen Standard-
         Baugrößen am Zählerplatz.
4) Neue Belastungs- und Bestückungsvarianten nach Kapitel 4.3;
    für die Dimensionierung der Zählerplätze sind sowohl alle möglichen 
    Energiefluss-Richtungen als auch die maximal möglichen Betriebsströme, 
    unabhängig von der Zählerbefestigungsart, zu berücksichtigen.
    Künftig wird nach Lastverhalten und Belastungsgrad unter Berücksichtigung
    des Gleichzeitigkeitsfaktors unterschieden. Die nachfolgend aufgeführten
    Anforderungen (Belastungs- und Bestückungsvarianten) gelten für
    Zählerplätze, unabhängig von der  Zählerbefestigungsart, bei Einfach- 
    und Doppelbelegung pro 250 mm Feldbreite.
 
Bei den Belastungsvarianten wird künftig unterschieden zwischen:
a) haushaltsübliche Bezugsanlagen bis 63 A, die üblicherweise nach DIN 18015 und Standardlastprofil dimensioniert werden
b) Bezugsanlagen und/oder Erzeugeranlagen mit anderem Lastverhalten als a) die aber dauernd keinen größeren Strom führen als 32 A. Zum Beispiel Anlagen mit Direktheizung, Speicher, Ladestationen für E-Fahrzeuge und Mini-BHKW
c) bei einer Verwendung nach b) aber einem maximalen Betriebsstrom bis 44 A ist ein Zählerplatz mit einer internen Verdrahtung von 16 mm² und dem Leitungstyp H07V-K sowie ein SH-Schalter 50 A zu verwenden
d) bei Doppelbelegung in mehrfeldrigen Schränken ist pro Feldbreite, unabhängig von der Zählerbefestigungsart, die Tabelle 1 anzuwenden
e) bei Doppelbelegung im einfeldrigen Schrank ist der Dauerstrom auf 22 A begrenzt. Es ist ein SH-Schalter 25 A zu verwenden.

» Tabelle 1: Belastungs- und Bestückungsvarianten von Zählerplätzen
    Quelle: Fa. ABN Braun AG, Neuenstadt

5) Anbindung von Kommunikationseinrichtungen, Kapitel 4.7:
     a) Zählerplätze mit BKE-I sind mit einer opto-elektrischen
         Schnittstelle auszurüsten.
     b) Bei Zählerplätzen mit Dreipunkt-Befestigung ist im Zählerfeld ein
         Raum für Zusatzanwendungen nach Kapitel 5 erforderlich.
     c) Vom Ort des APL ist ein Elektroinstallationsrohr gemäß DIN 18015
         zum Zählerplatz zu verlegen.
     d) Der Abschlusspunkt im/am Zählerplatz heißt künftig APZ (RJ45-Buchse) plombierbar.
     e) Die leitungsgebundene Anbindung der anderen Sparten hat nach 
         DIN VDE 0100 und E DIN VDE 0603-100 zu erfolgen. Schematische 
         Darstellungen und Anschlussbeispiele beachten.
     f) Die Verwendung der Betriebsmittel, Smart Meter Gateway,
         Spannungsversorgung, Steuersicherung usw. wird in Kapitel 5.5 beschrieben.
6) Der Anschluss von Zählerplätzen an das Hauptversorgungssystem ist gemäß den Darstellungen in Anhang A für das TN- und TT-System auszuführen.

Für den Umgang mit Bestandsanlagen soll es künftig ebenfalls normative Anforderungen durch den FNN geben.


Kontakt:
Steffen Häusler, FV EIT BW
Technischer Berater

            

 

 

Sie sehen Ihre Neuigkeit nicht?

Loggen Sie sich hierzu in der rechten Spalte einfach mit Ihrem Nutzernamen und Passwort ein.








Geben Sie Ihre Logindaten ein

Bitte geben Sie hier Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein welches Sie bei der Registrierung erhalten haben. Danke!







































Fachverband Elektro- und Informationstechnik Baden-Württemberg

Voltastraße 12
70376 Stuttgart
Telefon (0711) 95 59 06 66
Telefax (0711) 55 18 75

E-mail: info(at)fv-eit-bw.de